Aus Stadt und Land 69 Situation abgestimmt. Mit der Verbreiterung der Wilhelmshöher Allee wurden die verbliebenen Grünflächen 1964/65 umgestaltet – mit Aufenthaltsqualität, Fernblicken in die drei Gelenkachsen und in qualitätvoller Materialität: ein selten gewordenes, herausragendes Beispiel für einen grünen Stadtplatz der Nachkriegsmoderne. Die Grünflächengestaltung der 1960er-Jahre, das Umfeld des Landesmuseums bzw. das (bauzeitliche) Vorfeld der Murhardschen Bibliothek stehen unter Denkmalschutz, überhaupt der Platz an sich. Zweifellos hat er aktuell Mängel, besonders die Verkehrsdominanz und die derzeitige äußere Bepflanzung. 2018 wurde der Platz in das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen (6,5 Mio. Euro Fördermittel), 2020 folgte ein Wettbewerb. Wünschenswert wäre eine behutsame Umgestaltung, die dem Charakter des Platzes gerecht wird. Immerhin sind die Nutzungsziele von Förderprojekt und Wettbewerb im Bestand bereits angelegt bzw. leicht zu erreichen: doppelte Gelenkfunktion nach Wilhelmshöhe und zum Weinberg, „Adressbildung“ der Kulturbauten, grüner Stadtplatz, unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten. Die Forderung nach einer grundlegenden Neugestaltung (sic!) war jedoch schon in der (nicht öffentlichen) Auslobung enthalten, auf Basis eines dezernatsinternen Workshops aus dem Jahr 2018. Der Denkmälerbestand war in der Auslobung ausdrücklich zur Disposition gestellt und z. T. erst gar nicht wiedergegeben. Bindende Vorgaben gab es keine, denn: „Der Ideenvielfalt und Kreativität sollen so wenig Grenzen wie möglich gesetzt werden.“ Diese Erwartungshaltung schlug sich dann auch in den Entwürfen nieder, die schon in der ersten Wettbewerbsphase allenfalls Einzelheiten des Bestands übernahmen. Auf der städtischen Internetseite liest man nun dazu: „Bei der Bewertung der Wettbewerbsentwürfe durch das Preisgericht, zu dem auch die Denkmalpflege gehörte, stellte sich heraus, dass die in der Auslobung formulierten Ziele der Planung nur dann erreicht werden können, wenn die Möglichkeit eröffnet wird, den Platz grundhaft neu zu gestalten. Am Ende erfolgte mit der Entscheidung des Preisgerichts eine Abwägung aller Belange.“ … Ausgewählt wurde aus zwei 1. Preisen die „große Geste“ eines runden, nicht zu betretenden „Märchenwalds“ aus Kiefern, umgeben von einheitlichen, großen Pflasterflächen. Die denkmal- geschützten Gestaltungen – einschließlich Theodor Fischers Gesamtkonzept – fallen diesem Konzept ebenso zum Opfer wie die städtische Weite des Platzes mit seinen Blickbeziehungen und der Auftaktfunktion für Allee und Innenstadt. Eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung war gegenüber dem Förderprogramm detailliert angekündigt worden – immerhin war eine „Premiumqualität“ für das Beteiligungsverfahren gefordert. Umgesetzt wurde dies seit Dezember 2019 lediglich durch einen ausgesuchten Beirat, der hinter verschlossenen Türen tagte und dessen Forderungen am Ende unbeachtet blieben: z. B. Akzentuierung der Torgebäude, Inszenierung der Blickachsen, Auseinandersetzung mit dem starken Gefälle, keine Kiefern und Lärchen, sondern eine bunte Bepflanzung, die Farbe und Lebendigkeit bringt … Viele Punkte aus der folgenden öffentlichen Kritik finden sich interessanterweise auch schon im Preisgerichtsprotokoll: Verstellen der Fassaden, Auswahl der Vegetation, Aufenthaltsqualität, Platzgestaltung, Gesamtwirkung angesichts der Straßenschneise, Übertragbarkeit des Naturbilds in die Stadt. Als unumstrittener Aus Stadt und Land