70 Aus Stadt und Land funktionaler Vorzug blieb nur die Schaffung nutzbarer Ränder stehen. Der andere 1. Preis dagegen war auch für seine stadträumlichen Qualitäten gelobt worden, für seine Zurücknahme zugunsten der Randbebauung; einzig relevante Kritik im Preisgericht war allerdings von anderer Seite, dass „dem Entwurf die gewünschte Prägnanz und Strahlkraft einer starken Geste“ fehle ... Die vom Preisgericht gewünschte Überarbeitung der prämierten Entwürfe blieb beim „Märchenwald“ dann weitgehend aus; wie die Preisgerichtsvertreter für die abschließende Entscheidung ausgewählt wurden, ist unbekannt. Gegen die öffentliche Kritik verteidigte der Stadtbaurat (selbst Mitglied des Preisgerichts) den Entwurf: Seine Auswahl sei unter Bürgerbeteiligung durch ein hochkarätig besetztes Preisgericht, in dem auch die Denkmalpflege vertreten war, einvernehmlich getroffen worden. – Das beteiligte Landesamt für Denkmalpflege bezog inzwischen allerdings eindeutig Stellung gegen die Planungen. Der Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt setzt sich (mit inzwischen drei Stellungnahmen und einer Faltblattserie) für die Einbeziehung des denkmalgeschützten Bestands ein – eines Bestands, der ganz wesentlich das qualitative Potenzial dieses Platzes bildet, mit guten Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Bislang konnten aber nur kleine Teilerfolge im Umfeld des Landesmuseums erreicht werden. Nach dem bisherigen Zeitplan sollen die Stadtverordneten noch vor der Sommerpause den Planungen zustimmen. Weitwinkelansicht, Planungsstand März 2022 (Graphik: Verf. nach club L 94 und einer zugrundeliegenden Photographie). Die Mitte wird unzugänglich, die bisherige optische Weite geht verloren; der klassische Blick auf Torgebäude und Wilhelmshöher Allee sowie auf Haus Nr. 4 ist nicht mehr möglich, das Landesmuseum büßt Vorfeld und städtebauliche Wirkung ein. Die Gelenk- und Auftaktfunktion ist nicht mehr erlebbar. Die Verkehrsführung – das zentrale Problem des Platzes – bleibt dagegen fast unverändert und wird sogar räumlich betont (als Schneise; in der offiziellen Graphik ist die gesamte Straßenschneise allerdings nur wenig breiter als die vorhandene Schienentrasse der Straßenbahn wiedergegeben). Der Entwurf antwortet nicht auf das Gefälle und auf die Unterschiede der Randbebauung (untere geneigte Hälfte / oberes Plateau). Eine Kreisform wäre auch mit dem Bestand vereinbar.
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