68 Aus Stadt und Land Aus Stadt und Land An keinem anderen Ort der Kasseler Innenstadt bilden Baukunst, Freiflächengestaltung und Kulturgeschichte ein so dichtes, sich ergänzendes Erbe. Ein einziger Standort in der Platzmitte genügt, um städtebauliche, architektonische und kulturgeschichtliche Zusammenhänge vom 18. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit erfahrbar zu machen – bisher, denn dies könnte bald selbst Geschichte sein ... Zwei Torgebäude (1805/06) markieren wirkungsvoll den Auftakt der Wilhelmshöher Allee, im nördlichen wohnten 1814–22 die Brüder- Grimm. In der Gegenrichtung dient der Platz als großzügiges Entree zur Stadt, als Überleitung zur Königsstraße. Dabei fällt der Blick auf das frühere Palais der Hausbischöfe König Jérômes, ab 1813 Arnoldsche Tapetenmanufaktur; bei Arnolds waren u. a. Karl Friedrich Schinkel und Adolph (von) Menzel zu Gast, Ludwig Emil Grimm hatte hier zeitweise sein Malzimmer. Torgebäude und Palais (beide von Heinrich Christoph Jussow) verklammern auch architektonisch Platz und Wilhelmshöher Schloss miteinander. Nach Süden zweigt seit ca. 1870 die Weinbergstraße ab, erst zur Henschelvilla (jetzt dort die Grimmwelt), dann auch zur Murhardschen Bibliothek (1903–05). Durch den Bau des Landesmuseums 1910–13 wurde der Platz kongenial weiterentwickelt – entworfen von Theodor Fischer, einem Wegbereiter der Moderne. Mit dem Museumsgebäude betonte er die Gelenkfunktion des Platzes zwischen Königsstraße, Wilhelmshöher Allee und Bibliothek/Weinberg; das Gebäude und sein direktes Umfeld sind – im Sinne eines Gesamtkunstwerks – eng aufeinander abgestimmt. Auch Ersatzbauten der Nachkriegszeit (an der Ecke zur Königsstraße das denkmalgeschützte Hotel Hessenland) sind vorbildlich auf die städtebauliche Der Brüder-Grimm-Platz in Kassel – ein bedrohtes Kulturerbe Christian Presche Blick aus der Wilhelmshöher Allee auf Torgebäude und Brüder-Grimm-Platz 4
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