42 Zweigvereine
Geschehen im Deutschen Reich bis in die
Details in den Ereignissen in der damaligen
Kreisstadt Hofgeismar widerspiegelte.
An dieser Stelle könnte die Frage aufkommen,
ob eine neunte Klasse ohne historische
Grundkenntnisse zum Thema Nationalsozialismus
in der Lage ist, die lokalen Ereignisse
in den großen Rahmen der allgemeinen
Geschichte einzuordnen. Die jüdische Abteilung
des Stadtmuseums
als
außerschulischer
Lernort
bietet die
große Chance,
sich dem Thema
Nationalsozialismus
nicht
allein über ein
G e s c h i c h t s -
buch anzunähern,
sondern
über die Begegnung
mit
den Ereignissen
an vertrauten
Orten
in der Stadt.
Hinzu kommt
das Kennenlernen der Lebensgeschichten
von Menschen jüdischen Glaubens, die hier
ihre Heimat hatten und die, wie es die Schüler
später treffend ausdrückten, damals ihre
Nachbarn oder Schulfreunde gewesen wären.
Die lokalen Ereignisse in den allgemeinen
Rahmen der deutschen Geschichte einzuordnen,
einen politischen Standpunkt zu entwickeln
und die Konsequenzen für das eigene
Handeln in der heutigen Zeit zu reflektierten,
waren Projektziele, die weit über das Vermitteln
historischen Wissens hinausgingen.
Da gab es zum Beispiel das tragische Ende
einer Liebe zwischen dem jüdischen Mädchen
Irma Hakesberg und ihrem nicht-jüdischen
Freund Christian Briede in Hofgeismar.
Die jungen Leute wurden aufgrund der Nürnberger
Rassengesetze verhaftet und schließlich
ermordet. Das „Gesetz zum Schutze des
deutschen Blutes und der deutschen Ehre“
und seine Auswirkung auf die Menschen bekam
damit für die Schüler eine sehr konkrete
und für sie fassbare Bedeutung. Sara aus
der R 9 c schrieb in ihrer Stellungnahme unter
anderem dazu: „Mit diesem Gesetz haben
sich die nicht-jüdischen Deutschen eigentlich
auch selbst geschadet. Denn gegen Liebe
kann man nichts machen.“
Die Schüler fanden in der Ausstellung einen
unkonventionellen Weg, die Synagoge
darzustellen. Die gemeinschaftliche Vergrößerung
eines historischen Bildes der
Synagoge mithilfe der sog. Rastertechnik
Wandfüllendes Bild der alten Hofgeismarer Synagoge, zusammengesetzt
aus bemalten 40 x 50 cm großen Platten, zu denen jeder Schüler
der R 9 c eine Arbeit beitrug. Foto: ZV Hofgeismar