Zweigvereine 41
wurde das ermöglicht durch die unbürokratische
Umgestaltung des Stundenplans der
R 9 c durch die Schulleitung und durch die
Bereitschaft einzelner Fachlehrer, Stunden
für regelmäßige Forschungstage außerhalb
der Schule abzugeben.
Darüber hinaus – und das war in diesem
Fall neu – floss das Thema in den Unterricht
der Fächer Deutsch, Religion, Kunst, Mathematik
und Gesellschaftslehre mit ein. Hinzu
kam eine hohe finanzielle Förderung durch
das Modellprojekt „Kulturkoffer“ des Hessischen
Ministeriums für Wissenschaft und
Kunst. So waren ideale Bedingungen geschaffen
für eine intensive und kontinuierliche
Recherchearbeit und für die künstlerische
und gestalterische Umsetzung der Ergebnisse
in einer grandiosen Ausstellung.
War die R 9 c eine besonders glückliche
Wahl für dieses Projekt, oder hätte die didaktische
Konzeption bei jeder anderen Klasse
dieselben Früchte getragen? Das lässt sich
nicht ohne weiteres beantworten. Fest steht,
dass die 22 Schüler offen und neugierig an
die Sache herangingen, und dass ihre Motivation
zu handeln in dem Maße anstieg, je
tiefer sie in die Thematik eindrangen.
Wie hat das Projekt begonnen, was hat den
Anstoß gegeben?
Eine quadratische Sandsteinplatte mit angeschrägten
Ecken und einem feinen Profil
auf dem ursprünglichen Standort der Hofgeismarer
Synagoge, dazu weitere Fundstücke
von Steinen des Fundaments als
letzte Zeugen des verschwundenen Gotteshauses
waren Anlass und prägten den Titel
des Projekts.
Hinzu kam ein Artikel der Hofgeismarer
Zeitung vom 28.1.1939: „Wie in vielen anderen
Städten, so musste auch in Hofgeismar
mit der Abwanderung der Juden der
Judentempel verschwinden. Wenn die letzten
Aufräumungsarbeiten abgeschlossen sind,
wird nichts mehr daran erinnern, dass hier
eine Synagoge gestanden hat“.
Das Ziel der Nationalsozialisten, nicht nur
das Gebäude abzureißen, sondern ausdrücklich
auch die Erinnerung daran auszulöschen,
war für die Mitarbeiter der Jüdischen Abteilung
im Stadtmuseum Hofgeismar eine Herausforderung,
die „verschwundene“ Hofgeismarer
Synagoge, ihre Geschichte und die
Geschichte der jüdischen Gemeinde wieder
ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Schon bei den Vorplanungen schien das
Projekt aufgrund der Fragestellungen wie geschaffen
für eine Einbeziehung von Schülern:
„Gibt es noch weitere Spuren der Hofgeismarer
Synagoge? Wo genau stand sie? Was lässt
sich über Architektur und Bauweise sagen?
Wie sah sie von innen aus, welche religiösen
Funktionen hat die Einrichtung eines jüdischen
Gotteshauses? Ist es den Nazis gelungen,
die Erinnerung in der Öffentlichkeit
auszulöschen? Welche Geschichte hatte die
1764 erbaute Synagoge? Wie war die jüdische
Gemeinde mit ihr verbunden?“
Die Arbeit am Projekt begann mit der Lektüre
des Buches „aber Steine reden nicht“ von
Carlo Ross. Aufwendig gestaltete Lesetagebücher
entstanden dazu im Deutschunterricht
unter der Anleitung von Irmgard Ehls. Dann
folgte ein Ortswechsel: Im Stadtmuseum wurden
die Schüler in das Thema Synagoge, ihre
Architektur, ihre religiöse Bedeutung und
ihre Geschichte eingeführt. Das Archiv der
Abteilung lieferte zu weitergehenden Studien
historische Bildquellen, Polizeiberichte,
Zeitungsberichte und auch persönliche Briefe
aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die
Befragung dieser Dokumente erbrachte die
Erkenntnis, dass sich das große politische
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