Zweigvereine 65 Auf dem Ludwigstein begab sich ein Arbeitskreis auf Spurensuche. Er legte 2021 ein Papier vor, das als Schutzkonzept vom Vorstand der Stiftung Jugendburg Ludwigstein verabschiedet wurde. Das Archiv verwahrt nach Darstellung der Referentin Dokumente, die belegen, in welchem Ausmaß Jugendbünde und Einrichtungen wie Jugendburgen oder Gruppenhäuser immer wieder auch Orte sexualisierter Gewalt gewesen seien. Dabei habe die Philosophie des „pädagogischen Eros“ eine fatale Rolle gespielt: Angelehnt an vermeintlich antike Vorbilder sei die Hinwendung eines älteren Führers zu einem jüngeren Schüler als ideale Erziehungsform fabuliert worden. Dies schloss körperliche und seelische Zuwendung ein, heißt es in dem Konzept. Eine bekannte Größe in der Jugendbewegung war der Reformpädagoge Gustav Wyneken (1875–1964), der bereits 1920 wegen sexuellen Missbrauchs an seinen Schülern verurteilt wurde. Sein umfangreicher Nachlass befindet sich im Burgarchiv. Eine führende Rolle hatte Wyneken beim ersten Freideutschen Jugendtag auf dem Meißner 1913. Er starb übrigens in Göttingen. Als Burg, die seit 1920 von jungen Menschen für ein naturverbundenes und gemeinschaftliches Jugendleben erhalten wurde, stelle man sich der Verantwortung für diesen Teil der Geschichte. Man müsse Kindern und Jugendlichen, denen Leid widerfahren sei, eine Stimme geben. Der Vortrag war die erste Veranstaltung des ZV Witzenhausen im neuen Jahr, zwei Vorträge mussten pandemiebedingt ausfallen und sollen nachgeholt werden. Werner Keller Referentin beim ZV Witzenhausen: Dr. Susanne Rappe-Weber, Beisitzerin im Vorstand, mit dem Vorsitzenden Hans-Jürgen Markolf. Foto: Werner Keller
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