50 Zweigvereine was im Frühjahr 2021 eine öffentliche Debatte hervorrief – umso mehr, da die Beschränkung auf eine Präsentation glanzvoller Einzelstücke im Landesmuseum als Option erschien. Diese Lösung, die zumindest für die Bauzeit vorgesehen ist, darf aus Sicht des Zweigvereins-Vorstands keine Dauerlösung werden, angesichts des hohen wissenschaftsgeschichtlichen Rangs der landgräflichen Sammlungskomplexe insgesamt (vgl. Sternwarte Wilhelms IV., ‚Kunsthaus‘ Landgraf Carls, Collegium Carolinum, Museum Fridericianum); in einem HNA-Artikel bezog Jürgen Fischer Stellung für eine angemessene Präsentation des Kabinetts. Hintergrund ist eine dringende Sanierung des Orangerieschlosses, die eine Auslagerung der Ausstellungsobjekte erfordert – zugleich Anlass, Museumskonzept und Baubestand grundlegend zu überdenken. Eine Option sieht vor, den Fokus wieder ganz auf jene landgräflichen Kernbestände des 16.–18. Jh. zu legen und die Technikgeschichte an das (vereinsbetriebene) Technikmuseum anzugliedern. Die Debatte ist auch deshalb komplex, weil die inhaltliche Ausrichtung sich auf den Raumbedarf auswirkt – umso mehr ist eine Lösung zu wünschen, die den Sammlungen und dem Gebäude gerecht wird. So war das Orangerieschloss europaweit eine innovative Besonderheit – mit neuartig kombinierten architektonischen Vorbildern aus Frankreich (wodurch auch zeitgemäße Garten-bezogene Sommerappartements und Festsäle entstanden, wie es sie im nahen Stadtschloss nicht gab). Das Bauwerk wurde zum Vorbild für das Schloss in Biebrich, und die Kasseler Planungen beeinflussten auch den Dresdener Zwinger. Der Neuaufbau von 1977–81 hat diese Zusammenhänge durch eine neue Innenaufteilung jedoch größtenteils zerstört, so dass der Umbau zugleich auch eine Chance bedeutet. In Hinblick auf den 450. Geburtstag des Landgrafen Moritz am 25.5.2022 und den 350. Todestag des Komponisten Heinrich Schütz am 16.11.2022 (als jeweils im Folgejahr) setzte der Zweigverein seine Schriftenreihe fort, mit dem Band KBG 7 von Prof. Dr. Gerhard Aumüller (Marburg), unter Mitarbeit von Dr. Christian Presche: Karrieren Kasseler Hofschüler vom „Alumnus symphoniacus“ zum Oberkammerdiener und Hofkapellmeister (erschienen im Mai 2022). Layout und Verlagskontakt lagen abermals in den bewährten Händen von Dr. Jochen Ebert. Den Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt beschäftigt derweil wieder ein Großprojekt der Stadt: die geplante Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes, für dessen denkmalgeschützten Bestand der Arbeitskreis sich seither mit Stellungnahmen, Schreiben etc. einsetzt (vgl. Aus Stadt und Land). In der MHG 2020 hatten wir vom Einsatz für die Oberneustadt berichtet, die durch das Vorhaben des Stadtbaurats gefährdet war, dicht an der barocken Karlskirche das documenta- Institut mit dem architektonischen Anspruch des Guggenheim-Museums in Bilbao zu bauen. Eine erfolgreiche Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren und das nachfolgende Veto des Oberbürgermeisters wendeten diese Planung schließlich politisch ab. Nun stehen wieder mehrere städtebaulich geeignete Lösungen zur Diskussion, doch wird ebenso wichtig sein, dass ein Neubau für das Institut nicht auf dem Papin-Platz entsteht, dicht vor der Hauptfassade des Ottoneums (immerhin Deutschlands erster fester Theaterbau, dann ‚Kunsthaus‘ Landgraf Carls und Sitz des Collegium Carolinum, auf den Blick von der ehem. Rennbahn aus angelegt). Auch eine angemessene Stadtreparatur am Karlsplatz bleibt weiterhin anzustreben.
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