Zweigvereine 39 T E U N D L A N D E S K U N D E 1 8 3 4 E . V . Hessen) empfohlen) 750 Jahre Neustadt 2022 feiert Neustadt 750 Jahre urkundliche Ersterwähnung. Die »nova civitate«, wie sie in der Urkunde des Klosters Haina vom 5. Mai 1272 genannt wird, wurde erst wenige Jahre zuvor durch den mainzischen Vasallen Graf Ludwig II. von Ziegenhain als befestigter Stützpunkt gegen den Landgrafen Heinrich I. von Hessen angelegt. Im Laufe des Mittelalters wechselte Neustadt zwischen Hessen, Ziegenhain und Mainz mehrfach den Besitzer. 1477 gelangte die Stadt als Mainzer Pfand lehen an den hessischen Hofmeister Hans von Dörnberg, welcher den nach ihm benannten JunkerHansenTurm – größter Fachwerkrundbau der Welt und Wahrzeichen der Stadt – von dem landgräflichen Baumeister Jakob von Esslingen errichten ließ. Die sie ursprünglich umgebende doppelte Ringmauer wurde im Dreißigjährigen Krieg abgebrochen und ist heute nur noch in geringen Resten vorhanden. Um 1530 schloss sich Neustadt der Reformation an und die spätgotische Pfarrkirche St. Johannes mit ihrem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Turm wurde vorübergehend evangelisch. Die katholische Restgemeinde baute 1576 die St. Laurentiuskapelle auf dem Laurentiusberg, die heute als Friedhofskapelle dient. Ende des 16. Jahrhunderts brachte die von Amöneburg ausgehende Gegenreformation wieder einen katholischen Pfarrer nach Neustadt. Auf die Initiative Hans von Dörnbergs geht auch der Bau des neuen Schlosses zurück, das um 1489, wiederum durch Jakob v. Esslingen, anstelle der Burg aus dem 13. Jahrhundert errichtet wurde. Nach dem Ende der Dörnbergischen Pfandschaft 1549 diente das Schloss bis 1802 als Sitz der mainzischen Amtmänner und anschließend als Amtsgericht (bis 1943). 1950 verkaufte es das Land Hessen an die Stadt, welche es zu einem neuen Rathaus umbaute. Ein weiteres Gebäude von herausragender architektonischer und geschichtlicher Bedeutung ist der neben der Pfarrkirche liegende Burgsitz. Dessen steinernes Erdgeschoss mit reicher Verzierung aus der Frührenaissance wurde 1545 von dem Amtmann Reinhard Schenk zu Schweinsberg, nachmaliger Obervorsteher der hessischen Hohen Hospitäler und Hauptmann der Festung Ziegenhain, erbaut wurde. Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses fiel Neustadt 1803 zusammen mit anderen ehemals kurmainzischen Enklaven an Hessen. In der Zeit des Königreichs Westphalen war die Stadt Verwaltungssitz eines Kantons. Von 1813 bis 1866 gehörte sie wieder zum Kurfürstentum Hessen. 1850 wurde Neustadt an die MainWeserBahn angeschlossen. Vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatte Neustadt die zweitgrößte jüdische Gemeinde im damaligen Landkreis Marburg. Am 1. Januar 1974 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Mengsberg, Momberg und Speckswinkel in die Stadt eingegliedert. Kultur- und Bürgerzentrum / Bürgerpark