32 Zweigvereine
So brachte die 2. Vorsitzende des Gesamtvereins
Ruth Piro-Klein, Burgwald-Bottendorf,
einer interessierten Zuhörerschaft die Kasseler
Juristin und Politikerin Elisabeth Selbert
(1896–1986) nahe. Die Sozialdemokratin Selbert
gilt als eine der „Mütter des Grundgesetzes“.
Von den 65 Mitgliedern des Parlamentarischen
Rates waren ledig vier Frauen. Obwohl
sie bereits Mitglied des Hessischen Landtages
war, wurde sie, genau wie ihre drei Mitstreiterinnen,
vom niedersächsischen Landtag in
den Parlamentarischen Rat berufen. Durch
ihr Engagement wurde die Gleichberechtig
von Mann und Frau als Verfassungsgrundsatz
ins Grundgesetz aufgenommen. Bereits während
der Beratungen erhielt Selbert unzählige
Zuschriften von Frauen aus ganz Deutschland,
die sie in ihrem Anliegen unterstützten.
Dennoch sollte es noch über 20 Jahre dauern,
bis das Grundrecht „Männer und Frauen
sind gleichberechtigt“ (Art. 3 Abs. 2 GG) in
die Gesetzgebung aufgenommen und ratifiziert
wurde.
Den Ansatz Genderforschung nahm die
Ägyptologin Christine Raedler auf und untersuchte
den Stellenwert der ägyptischen
Göttin Isis in der römischen Provinz Germania
Superior in ihrem Vortrag „Von Isis, der
Großen Gottesmutter zur Mutter Gottes Maria“,
ausgehend von den Ursprüngen der Göttin
in Ägypten, über deren Rezeption in der
griechisch-römischen Welt bis hin zu ikonographischen
Übernahmen im Frühchristentum
durch Maria. Ursprünglich mit ihrem Gemahl
Osiris zugehörig zur Götterneunheit von Heliopolis,
gewann die schon in Pyramidentexten
(um 2350 v. Chr.) des Alten Reiches belegte
Isis in der Ägyptischen Spätzeit (664–332 v.
Chr.) zunehmend an Bedeutung. Dem Mythos
nach hatte Isis posthum von Osiris Sohn Horus
empfangen, den sie nach dessen Geburt im
Verborgenen großzog. Dadurch wurde Isis zur
Muttergottheit par excellence, was der Beiname
„Große Gottesmutter“ ausdrückt. Im Rahmen
der Königsideologie wird Horus zum mythischen
Urbild des legitimen Königs. Isis ist
in diesem Zusammenhang nicht nur die mütterliche
Schützerin und Ernährerin, sondern
überträgt ihrem Sohn mit ihrer Milch göttliche
Kräfte. Viel später soll die den Horusknaben
stillende Isis zum Urbild für die Ikonographie
der Mutter Gottes „Maria lactans“
werden.
Zuvor aber weitet sich der Wirkungsrahmen
der Göttin. Die Zahl der Kultanhänger wächst.
Neben Abydos, dem Ort der Osiris-Mysterien,
steigt jetzt ihr Tempel auf der Nilinsel Philae
bei Assuan zu einem Hauptkultort der Isis in
Ägypten auf. Mit der Ptolemäerherrschaft ab
305 v. Chr. gewinnt Isis vermehrt Anhänger in
der griechischen und später römischen Welt.
Hiervon zeugen Kultstätten wie Delos, Marathon,
Pompeji und Rom, aber auch Mogontiacum
(Hauptstadt der Provinz Germania Superiors
/ Mainz). Dort wurde 2000 ein Isis und
Magna Mater geweihtes Heiligtum ausgegraben.
Die Kultanlage kann in die Zeit des Kaisers
Vespasian (69–79 n. Chr.) datiert werden,
womit der Isiskult früher als angenommen in
die Nordprovinzen des Imperiums gelangte.
Während der Mithraskult Männern vorbehalten
war, konnten sich an die Muttergottheiten
auch Frauen mit ihren Wünschen und Nöten
wenden. Die Kultstätte wurde auch ein Ort
magischer Praxen, wie aufgefundene Fluchtäfelchen
und Zauberpuppen demonstrieren.
Einen eigenen Akzent setzte der Zweigverein
mit der Autorenlesung eines historischen
Romans. Schriftsteller und Historiker Robert
Focken trug vor aus seinem Buch „Arnulf

die Axt der Hessen“. Dabei gab er zunächst
einen aufschlussreichen Einblick in die
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